+49 (0) 40 756 817 83
mail@adence.de
Termin vereinbaren

Digitale Souveränität in Deutschland: Mehrheit fordert mehr Unabhängigkeit ADence

Die Debatte über digitale Souveränität gewinnt in Deutschland immer mehr an Relevanz. Eine aktuelle Erhebung des Branchenverbands Bitkom zeigt, dass ein Großteil der Bevölkerung sich eine stärkere Unabhängigkeit im Bereich digitaler Technologien wünscht. Dabei wird nicht nur ein hohes Problembewusstsein deutlich, sondern auch eine steigende Bereitschaft, Veränderungen sowohl politisch als auch im eigenen Verhalten zu unterstützen.

Deutliche Mehrheit erkennt den Bedarf

Fast alle Befragten – genau genommen 99 Prozent – halten es für notwendig, dass Deutschland unabhängiger von ausländischen digitalen Technologien wird. Gleichzeitig sehen 93 Prozent aktuell eine klare Abhängigkeit von anderen Staaten, insbesondere bei wichtigen Technologien und Plattformen, die größtenteils von Anbietern außerhalb Europas stammen.

Zudem sprechen sich 79 Prozent dafür aus, verstärkt in zentrale digitale Technologien zu investieren. Das zeigt, dass nicht nur Probleme erkannt werden, sondern auch konkrete Maßnahmen erwartet werden.

Hintergrund der Umfrage

Die Ergebnisse basieren auf einer repräsentativen Befragung von 1.004 Personen ab 16 Jahren in Deutschland. Die Interviews wurden telefonisch durchgeführt und fanden zwischen Kalenderwoche 9 und 12 im Jahr 2026 statt. Thematisch ging es unter anderem um die Wahrnehmung digitaler Abhängigkeiten, das Nutzerverhalten sowie die Offenheit gegenüber europäischen Alternativen.

Verantwortung der Verbraucher

Ein auffälliges Ergebnis ist, dass viele Menschen sich selbst in der Pflicht sehen: 87 Prozent sind der Ansicht, dass auch Nutzer aktiv zur digitalen Unabhängigkeit beitragen sollten. Gleichzeitig sind 62 Prozent bereit, kurzfristige Nachteile in Kauf zu nehmen, wenn dies langfristig mehr Souveränität bringt.

In der Realität zeigt sich jedoch ein gemischtes Bild: 34 Prozent haben sich bereits bewusst für europäische digitale Angebote entschieden, weitere 27 Prozent haben sich zumindest mit dem Thema beschäftigt. Gleichzeitig hat jedoch ebenfalls rund ein Drittel (34 Prozent) bislang nicht darauf geachtet, woher die genutzten digitalen Dienste stammen.

Schwierigkeiten beim Umstieg

Trotz des vorhandenen Bewusstseins fällt vielen der Wechsel zu europäischen Anbietern schwer. Mehr als die Hälfte der Befragten (55 Prozent) empfindet diesen Schritt als kompliziert.

Als Gründe werden vor allem der Aufwand beim Übertragen von Daten, bestehende Bindungen an bekannte Plattformen sowie fehlende Funktionen oder Integrationen bei europäischen Alternativen genannt. Diese Faktoren erschweren es, bestehende digitale Gewohnheiten zu ändern.

Geringe Nutzung europäischer Dienste

Im Alltag spielen europäische digitale Angebote bisher nur eine kleine Rolle. Zwar existieren entsprechende Lösungen, ihre Nutzung ist jedoch begrenzt.

Nur 14 Prozent nutzen europäische soziale Netzwerke. Bei Suchmaschinen und Browsern liegt der Anteil bei 13 Prozent, bei Messenger-Diensten bei 11 Prozent.

In zukunftsorientierten Bereichen ist die Nutzung noch geringer: Lediglich 6 Prozent verwenden europäische KI-Anwendungen oder Chatbots, und nur 5 Prozent nutzen Smartphones europäischer Hersteller. Das verdeutlicht, dass europäische Anbieter in vielen wichtigen Bereichen noch nicht ausreichend vertreten oder konkurrenzfähig sind.

Forderungen nach Maßnahmen

Vor diesem Hintergrund fordert Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst höhere Investitionen in zentrale digitale Technologien. Gleichzeitig plädiert er dafür, regulatorische Hürden zu reduzieren, die Innovationen bremsen könnten.

Er betont außerdem, dass digitale Souveränität nicht ohne internationale Zusammenarbeit erreicht werden kann. Technologien aus Nicht-EU-Ländern können weiterhin genutzt werden, sofern sie den Anforderungen an Sicherheit und Unabhängigkeit entsprechen.

Zusammenfassung

Die Umfrage macht deutlich, dass das Bewusstsein für digitale Abhängigkeiten in Deutschland stark ausgeprägt ist. Der Wunsch nach mehr Eigenständigkeit ist nahezu einhellig, ebenso die Bereitschaft, Veränderungen mitzutragen.

Dennoch besteht eine klare Lücke zwischen Anspruch und tatsächlichem Verhalten. Technische Hürden, Gewohnheiten und fehlende Alternativen bremsen den Wandel.

Um Fortschritte zu erzielen, müssen sowohl politische Rahmenbedingungen verbessert als auch wettbewerbsfähige, benutzerfreundliche europäische Angebote geschaffen werden. Nur so kann digitale Souveränität langfristig umgesetzt werden.

Author avatar
Niklas
We use cookies to give you the best experience.
Ihre digitale Assistentin Lara